Am 22.08.2024 haben wir in Hamburg-Billwerder einen Gedenkort für Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân geschaffen, um den beiden Ermordeten zu gedenken.
HINWEIS: Wie hier auf den Fotos sichtbar wurde ein Teil der (ehemaligen) Halskestraße, wo der Anschlag passierte, nun offiziell in Châu-und-Lân-Straße umbenannt. Dies war nicht die Idee der Stadt Hamburg, sondern eine Forderung der Überlebenden und der „Initiative für ein Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân“, welche die Umbenennung seit 10 Jahren fordern. In dem Text, welchen wir am Todestag veröffentlichten, stand, diese Umbenennung sei nicht erfolgt. Das war ein Fehler. Er entsprach dem aktuellen Stand unserer Recherche als der Text geschrieben wurde und wurde nicht nochmal überprüft.
Nun haben wir noch einmal recherchiert und möchten den tatsächlichen Verlauf teilen: Seit 2014 fordern Angehörige und Unterstützer:innen die Umbenennung der Straße, 2022 versprach der Bezirk Hamburg-Mitte dem nachzugehen, im Februar 2024 erfolgte der Senatsbeschluss für die offizielle Umbenennung und, erst kürzlich, im Mai 2024 wurden dann die neuen Schilder aufgehängt. Wir begrüßen, dass den Forderungen der Angehörigen und Unterstützer:innen doch nachgegangen wurde. Dennoch führen uns auch diese kleinen Erfolgsmomente immer wieder vor Augen, wie schwer es den Angehörigen und Überlebenden von rassistischer Gewalt in diesem System gemacht wird, sich Gehör zu verschaffen und zumindest ein Mindestmaß an Anerkennung zu erkämpfen.
Mehr Infos zur rassistischen Morden und Angriffen in Hamburg findet ihr in unserem Instagram Story-Higlight „Wir gedenken“
Heute waren wir mit ca. 300 Menschen in Harburg auf der Straße um gegen die rassistische Bezahlkarte zu demonstrieren. Lautstark lief die Demo vom Seeveplatz zur lokalen Erstaufnahme. Zwischendurch gab es bestärkende Redebeiträge, die auch die Passant:innen abholen und aufklären konnten.
Der Tenor der Demonstrant:innen war deutlich: Gegen die Bezahlkarte in Hamburg und überall! Gegen die rassistische Politik von SPD und Grüne! Alle zusammen gegen rassistische Spaltung! Hier wollen wir noch den Redebeitrag der Waterkant Antifa und des Offenen Antifa Treffen Hamburg mit euch teilen: Stell dir vor, du bist ein erwachsener Mensch in Deutschland, kannst aber nicht frei über das dir zustehende Geld verfügen. Kaum Bargeld abheben und nichts überweisen. Nicht auf dem Flohmarkt einkaufen gehen und nicht im kleinen Restaurant an der Ecke essen. Genau das ist seit Februar die Situation von asylsuchenden Menschen in Hamburg. Denn die Hamburger Regierung – nicht etwa die AfD – sondern SPD und Grüne haben sich entschieden, als erstes Bundesland die Bezahlkarte für Geflüchtete einzuführen. Unter dem Titel „Social Card“ soll hier aus antisozialen Überlegungen Normalität werden. Sie entmündigt, kontrolliert und schränkt ein. Wozu? Angeblich würden Asylsuchende Geld über das sie frei verfügen können, größtenteils in ihr Herkunftsländer schicken. Es gibt keine Studien, die diese Behauptung belegen. Es ist auch sehr unwahrscheinlich, so wenig Geld wie ein Asylsuchender in Deutschland zu Verfügung hat. Und selbst wenn, wo ist der Schaden? Wirtschaftlich wäre es kaum wahrnehmbar, ganz im Gegensatz zu den jährlich ca. 100 Milliarden, die der Staat durch Steuerhinterziehung verliert. Nicht durch Asylsuchende, nicht durch Bürgergeldempfänger:innen, sondern durch unsere Millionär:innen und Milliardär:innen. Etwa 10% der Menschen, die in Deutschland als reich gelten, wohnt in Hamburg. Könnte man ja mal angehen…? Nein! Nach unten treten ist einfacher.
Was für ein kaltes Land, das Schnappatmung bekommt bei dem Gedanken, Menschen könnten versuchen, ihren Familien zu helfe! Nach unten treten ist nicht nur einfacher, es lenkt auch von den eigentlichen Problemen in diesem Land ab. Wir die Bezahlkarte dafür sorgen, dass es mehr Kitaplätze gibt? Wird sie dafür sorgen, dass die Lebensmittelpreise sinken? Wird sie bezahlbaren Wohnraum schaffen? Nein. Aber jemand anderes hat es noch schlechter als ich, also ist das vielleicht nicht so wichtig. Alles was die Bezahlkarte erreicht hat, ist dem Staat mehr Möglichkeiten zur Kontrolle und Einschränkung zu geben. Heute trifft es nur Asylsuchende, aber Politiker:innen fordern bereits, diese Einschränkungen und Kontrolle in Zukunft auch auf Bürgergeldempfänger:innen auszudehnen. Das ist ein weiterer Angriff auf alle, denen zuerst der einfache Zugang zu Arbeit und dann zu lebensnotwendigen Einkäufen erschwert wird, da der rechte Kulturkampf sie als faule „Verweigerer“ und „Schmarotzer“ brandmarkt. Das der Senat nun die Bezahlkarte einführt um dies herbeifantasierte Ausnutzung zu unterbinden, unterstützt den Kulturkampf der Rechten und bestätigt ihr Feindbild als real. Grüne und SPD in Hamburg, sie machen sich erneut zum Steigbügelhalter der Rechten. Die bürgerlichen Parteien, unter ihnen prominent Grüne und SPD, inszenierten sich vor wenigen Monaten noch als Verteidiger:innen der Demokratie und Menschlichkeit, als Brandmauer gegen die AfD. Gleichzeitig setzen sich bereits jetzt Politik um, die 1:1 von der AfD stammen könnte. Antirassistische wollen sie sein und progressiv, als ob! Neben der neueingeführten Bezahlkarte wird weiterhin vermehrt abgeschoben und das recht auf Asyl durch die GEAS-Reform faktisch abgeschafft. Dieser Rechtsruck der bürgerlichen Parteien ist die Grundlage für den Erfolg der AfD. Als Antifaschist:innen dürfen wir nicht nur dort präsent sein, wo Nazis Abschiebefantasien planen. Gerade müssen wir auch dort protestieren, wo die vermeintlich Liberalen diesen Fantasien den rechtlichen Grundstein legen und rechte Lügen gesellschaftsfähig machen.
Solidarität aus Hamburg nach Stuttgart! Free Nico & All Antifas!
Text vom Antifaschistichen Aktionsbündnis Stuttgart : In der Nacht vom 20./21. Juni 2020 entlud sich die Wut migrantischer, marginalisierter Menschen auf den kapitalistischen Status Quo und den verschärften Bedingungen des Coronalockdowns. Dieses Ereignis ging als sogenannte „Stuttgarter Krawallnacht“ in die jüngere Geschichte ein. Nachdem Stuttgarter Richter:innen bereits über 100 Jahre Haft im Kontext der sogenannten Krawallnacht verhängt hatten, machte die Justiz Jagt auf Linke. Es kam zu diversen Hausdurchsuchungen in Stuttgart und drei Genoss:innen wurden in diesem Zusammenhang verurteilt. Davon betroffen ist auch unser Genosse Nico, dessen Haftantritt nun bevor steht. Am 29. September 2023 folgte das Landgericht Stuttgart der schwammigen Argumentation der Staatsanwaltschaft und bestätigte die Strafe, die das Amtsgericht bereits geurteilt hatte: 3 Jahre und 2 Monate Haft. Nach der überraschenden Annahme der Revision wurde Nico ein Monat der Strafe gekürzt. Damit ist das Urteil rechtskräftig und er hat seinen Haftantrittstermin am 12. August. In der Gesamtstrafe wurden Vorstrafen im Zusammenhang mit einer Solidaritätsaktion mit dem Befreiungskampf in Rojava,sowie Aktivitäten beim zurückdrängen der Nazis von der Partei „Die Rechte“ in Pforzheim drauf gerechnet. Die Krawallnacht ist nun 4 Jahre her und die Ausgangsbedingungen, die sie ausgelöst haben, haben sich nur verschärft. Inzwischen haben wir eine Messerverbotszone in der Innenstadt, die den Rassismus der Stuttgarter Polizei legitimiert und eine flächendeckende Kameraüberwachung, die den Repressionsbehörden in die Hände spielt. Sozialabbau und Rassismus beherrschen den politischen Diskurs, die Krisen des Kapitalismus haben sich verschärft. In diesem Szenario hat auch die Repression gegen progressive, linke Kräfte zugenommen. Für uns bedeutet das ungebrochen solidarisch an Nicos Seite zu stehen! Das heißt nicht nur den antifaschistischen und internationalistischen Kampf auf die Straße tragen, während er es nicht kann, sondern auch, ihn aktiv in unsere Kämpfe miteinzubeziehen. Wir lassen uns nicht spalten – und niemanden alleine!
In den letzten Wochen haben wir in Hamburg Gedenkorte für Mehmet Kaymaci und Nuran Y. geschaffen. Mehr Infos zu rassistischen Morden und Angriffen in Hamburg findet ihr in unserem Instagram Story-Highlight „Wir gedenken“
Auch am letzten Tag vor der EU Wahl blockierten Antifaschist:innen den Wahlstand der AfD in Eidelstedt.
Durch ein entschlossenes und für die Cops wohl überraschendes Auftreten konnten zahlreiche Antifas den Stand der AfD über 1,5 h blockieren und sie so abschirmen. Erst mit dem Auftritt von einem massiven Polizeiaufgebot und die Androhung von Zwang konnte den Stand räumen, bis dahin zeigte sich die Polizei, als auch die AfD heilllos überfordert.
Am Freitag, den 7.6. wurde der Prozess gegen Ursula Haverbeck antifaschistisch begleitet. Deutschlands bekannteste Holocaustleugnerin steht mal wieder wegen Volksverhetzung und Holocaustleugnung vor Gericht. Haverbeck wurde schon mehrfach unter diesen Anklagepunkten verurteilt und gilt mit 95 Jahren als unbelehrbar. In der rechtsradikalen Szene wird sie international verehrt und genießt eine Art Heldenkult. Ihre antisemitische und faschistische Ideologie verbreitete sie schon in ihrer Jugend, so war sie schon 1938 im „Jungmädelbund“ der Hitlerjugend aktiv. Durch das Verteilen von Flyern und das Stören der zur Begleitung des Prozesses gekommenen Faschist:innen wurde klar gemacht, dass ein solcher Prozess nicht unkommentiert bleibt. Verschiedenen bekannten Nazis, wie auch dem NPD (Die Heimat) Kader Lennert Schwarzbach, wurde klar gemacht, dass wir als Antifaschist:innen uns ihrem Auftauchen und auch ihrer faschistischen Politik entschlossen entgegenstellen. Nach der erfolgreichen Aktion wurden die Aktivist:innen unter massivem Polizeiaufgebot vom Gericht weg begleitet. Für uns ist klar: Wir bleiben aktiv gegen antisemitische und rassistische Hetze! Alle zusammen gegen den Faschismus!
Am Sonntag fand in Hamburg die Europa- und Bezirkswahl statt. Mit ca. 16 Prozent ist die AfD zweitstärkste Kraft im Europaparlament geworden. Obwohl in Hamburg mit 8 % vergleichsweise wenig Menschen die rechte bis faschistische Partei gewählt haben, gibt es keinen Grund zu feiern.
Einer der letzten Infostände der AfD zur Europawahl konnte erfolgreich gestört werden:
Am Mittwoch wurde der AfD Stand für kurze Zeit blockiert. Durch das unverhältnismäßige Eingreifen der Bullen, die sogar mit Reiterstaffel vor Ort waren, konnten wir nicht direkt vor dem Stand bleiben. Um weiter stören zu können, wurde eine Gegenkundgebung angemeldet, der sich Passant:innen und Nachbar:innen angeschlossen haben.
Unter lautstarkem Parolen rufen und das Vorlesen unserer Flyer, warum die AfD nicht die Lösung der Krise ist, hatte die AfD keine ruhige Minute in der Innenstadt. Frustriert mussten sie gegen 13 Uhr einpacken!
AfD Stand in Hamm gestört und zeitweise blockiert! Am vergangenen Freitag wurde erneut ein AfD Infostand erfolgreich gestört. Trotz eines hohen Aufgebots von Einsatzkräften von Beginn an, konnte der Auftritt der AfD zeitweise komplett blockiert werden. Später wurde der direkte Protest von Duzenden Antifaschist:innen in nächster Nähe und lautstark fortgesetzt.