
Von Trauer – zu Wut – zu Widerstand
Am 18.02.2025 waren wir gemeinsam mit 500 Antifaschist:innen zur Hanau Vorabenddemonstration auf der Straße. Gemeinsam haben wir Said Nesar Hashemi, Hamza Kenan Kurtović, Ferhat Unvar, Sedat Gürbüz, Fatih Saraçoğlu, Gökhan Gültekin, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz und Kaloyan Velkov gedacht, die am 19.02.2020 von einem polizeibekannten Faschisten ermordet wurden.



Trauer, Wut und Zeichen des Widerstands kennzeichneten die Demonstration. Wir sind Harburg Seeveplatz gestartet und eine Runde vorbei am Harburger Rathaus und der S Bahn Harburg Rathaus gelaufen: Vorbei an Läden, in denen wir zuvor ins Gespräch über Hanau gekommen sind und über bewohnte und befahrene Straßen, die mit den Gesicherten, der neun Ermordeten plakatiert waren. Die unterschiedlichen Redebeiträge der antirassistischen, antikolonialen und antifaschistischen Gruppen verdeulichten das Motto der Demo – Trauer, Wut und Widerstand. Trauer über die neun Menschen, die von einem Faschist ermordert wurden. Sie alle hatten Träume und Pläne für die Zukunft, hinterließen, Familien und Freunde, die bis heute unermüdlich für Gerechtigkeit, Aufklärung und Konsequenzen kämpfen. Auf der Gedenkkundgebung haben wir deshalb eingesprochene Redebeiträge und Gedichte der Angehörigen angehört und innegehalten. Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet.



Die Worte hallen auch heute noch nach und erinnern uns daran, dass wir nicht aufhören dürfen, Seite an Seite mit den Betroffenen rechter Gewalt gegen dieses rassistische System zu kämpfen! Wut über ein vom Staat vereinnahmten Gedenken, in dem Hanau als bedauerlicher Einzelfall deklariert wird. Dabei gab es seit 1990 mindestens 220 Todesopfer durch rechte Gewalt in der BRD. Die faschistische Bewegung findet sich, nach parlamentarischen Erfolgen mit der AfD, auch auf der Straße im Vormarsch und greift immer öfter Migrant:innen, queere und linke Menschen an. Das sich gleichzeitig die Zahl der Angriffe auf Geflüchtetenunterkunfte 2024 auf 218 erhöht hat und etwa 500 Rechtsradikale untergetaucht sind, zeigt uns, wie real die Gefahr für weitere Opfer durch faschistischen Terror sind.



Politiker:innen versprachen nach Hanau Aufklärung und Konsequenzen. Wir stellen heute fest: Diese gab es nie! Im Gegenteil: die Medienhetze und die menschenverachtende Politik der letzten Jahre lassen uns nicht daran glauben, dass es in Zukunft kein zweites Hanau geben wird, denn die Frage im aktuellen Wahlkampf ist nur, wer noch härter nach unten tritt. Anstatt über Reallohnverlust, steigende Mieten und Sozialabbau zu reden, geht es nur darum, sich darin zu überbieten, wer am schnellsten und am meisten abschiebt. Was die Mehrheit der Menschen in unserer Gesellschaft im Alltag beschäftigt interessiert die Politik nicht – die Schuld für soziale Probleme wird auf Migrant:innen abgewälzt. Während die Profiteure und Verursacher dieser unangetastet bleiben. Dass die realen Ursachen von Flucht und Migration dabei keine Rolle spielen überrascht wenig, solange sich Rheinmetall und co. über Rekordprofite freuen dürfen! Den Widerstand gegen diese rassistischen Verhältnisse müssen wir selbst organisieren. Deshalb gilt für uns das ganze Jahr: Antifaschist:innen Hand in Hand mit von Rassismus betroffenen und mit einer gemeinsamen Perspektive für eine Gesellschaft, in der wir alle frei von Ausbeutung, Unterdrückung und Gewalt leben können! 5 Jahre sind vergangen und wir sehen aktuell, dass Hanau jederzeit wieder passieren kann. Weshalb wir uns am 18.02.2025 für einen kollektiven und selbstbestimmten Umgang mit unserer Trauer und unserer Wut entschieden haben. Durch Harburg hallte lautstark: „Ob Hanau, Gaza oder der NSU – der deutsche Staat schaut den Morden zu!“, „Hanau, Halle, Celle – alles keine Einzelfälle“ und „Alle zusammen gegen den Faschismus!“.